Bar 25 Berlin
Bar25 Berlin -das Wunderland für Erwachsene und was daraus geschah-
„Die Bar ist tot“, steht mit großen, roten Druckbuchstaben auf dem Holzzaun, hinter dem sich die Legende des Berliner Nachtlebens versteckte. Eine kleine Tür inmitten von Holzlatten diente als Eingang für viele andersartige Nachtschwärmer, die Ihresgleichen suchten. In rot-weiß-schwarzer Farbe wurde die Zahl „25“ auf die nebenstehende Betonwand aufgesprüht. Schlicht und einfach, gar unscheinbar scheint er von außen, der magische Ort, an dem sieben Jahre lang ein Erwachsenenspielplatz Tage zu Stunden verwandeln ließ, an dem sieben Jahre lang getanzt, gelacht, geweint und gelebt wurde, an dem sieben Jahre pures Leben klebt, welches nun nur noch in den Erinnerungen weiterlebt. Aus und vorbei, die Pforten sind geschlossen, das Sesam zum Wunderland für Erwachsene öffnet sich nie wieder. Oder vielleicht doch..?
„Woher weißt du, dass ich verrückt bin?“, fragte Alice. „Du musst es sein“, sagte die Katze, „sonst wärst du nicht hergekommen.“ (Lewis Carroll)
Rückblick
Sommer 2010
Sommer 2010
Fernab von Normalität. Die Luft ist noch ganz warm vom heißen Berliner Sommertag. Nach einem kurzen Regenschauer umhüllt die Hitze der Straße meine Beine. Es ist schwül. Ich habe Durst. Bunte Lichter, die die Baumkronen in der dunklen Nacht hinter dem Holzzaun in den prächtigsten Farben erleuchten lassen, laute Musik, die über das Spreeufer dröhnt und der zwei Meter große, schwarz gekleidete, glatzköpfige Türsteher lassen meinen Puls höher schlagen. Die Schlange der Tanzfreudigen, die sich vor und hinter mir bildet, ist geschätzte 50 Meter lang und nicht selten werden vor mir der ein oder andere Anstehende, Wartende und Hoffende vom Zweimetermann weggeschickt. Nun stehe ich direkt vor ihm und wage es kaum, in seine Augen zu schauen. Die Hitze kriecht nun an meinen Armen hoch und erreicht fast meinen Rücken. Ich fange an zu schwitzen. Mit ernster Miene mustert er mich von oben bis unten, bevor er mir mit einem Kopfnicken in Richtung Tür zu verstehen gibt, dass er mich hineinlässt. „Treib et nich zu wild, Püppi“, grummelt er mir nach und ich sollte erst nach dieser Nacht verstehen, was er damit meinte. Die Tür schließt sich hinter mir und ich befinde mich mitten im Niemandsland. Der Ort, der Berlin verkörpert und jeden mit Haut und Haaren verschlingt, in seinen Bann zieht, der es durch den Zaun auf die andere Seite der unscheinbaren Tür geschafft hat. Ich bin eine der Glücklichen. Ich bin in der Bar 25.
Träume ich? Wo sind die grauen, mit Graffiti bemalten Betonwände, die finster dreinblickenden Gesichter, denen man sonst auf den Bürgersteigen oder in den U-Bahntunneln Berlins begegnet oder diese herzlose, kalte Anonymität, die sich im farblosen Alltag besonders in Berlin so breit macht? Nichts von dem ist hier zu spüren, im Gegenteil, es ist wie ein wahrgewordener Kindheitstraum, ein Paradies für Erwachsene, wo die Zeit keine Rolle spielt. Bunt, alles ist bunt. Ich befinde mich mitten im Rokokozeitalter, wo Mädchen in pompösen und verspielten Kleidern auf Schaukeln hin und her schaukeln. Als wären die Leinwände von ‚Boucher‘, dem Künstler des 18. Jahrhunderts, zum Leben erweckt. Überall stehen Holzhütten und bizarre Skulpturen, Diskokugeln hängen an den Bäumen und funkeln um die Wette und ich entdecke sogar einen ausgedienten Autoskooter, der direkt neben einem alten schwarz-weißen Fotoautomaten steht. Eine wahrgewordene Fantasielandschaft, in denen Pinocchio, Pippi Langstrumpf, Trolle, riesengroße Ameisen sowie Kugelfische auf Stelzen und andere Fabelwesen inmitten der Partymenge ihre Kreise ziehen. Auch ich bahne mir einen Weg durch die bunte Menschenmasse. Ein Clown mit übergroßen Schuhen, weißem Kostüm und einer violetten Perücke, dessen Haare geflochten bis zu seinen übergroßen Schuhen reichen, malt mir ein grünes Herz auf meine Handoberfläche und drückt mir gleich einen Ballon in die Hand und einen Kuss auf die Stirn. „Oh là là, du schwitzt aber! Was willst du trinken? Bier, Futschi, hartes Zeug? Wir haben sogar eine Wodkarutsche aus Eis. Dahinten sind die Toiletten, da kannst du dich erst mal frisch machen, da ist auch gleich ‘ne Bar.“ Kaum hat er den Satz ausgesprochen, dreht er sich zum nächsten Besucher um und wiederholt das Begrüßungsritual. Mit einem Getränk in der linken und einer Zigarette in der rechten Hand setze ich mich auf eines der weißen Schaukelpferde und lasse die Eindrücke erst einmal auf mich wirken. Eine Fee wirft Konfetti über mich, wovon etwas in meinem Getränk und etwas in meinem Haar landet. Wohin ich auch schaue glitzert und schimmert es. Die Spree fließt still weiter, unbeeindruckt des ganzen Spektakels sowie davon, dass sich am Ufer in ihr ein paar Besucher die Füße abkühlen und den Moment dieser unsichtbaren Magie genießen. Unter einem mit bunten Lampions geschmückten Baum schaukelt ein Pärchen auf einer Holzschaukel hin und her, ein ca. fünf Meter großes, nacktes, auf dem Rücken liegendes und in den Himmel starrendes Plastikbaby liegt auf einer der selbstgebauten Holzhütten aus denen laute Musik schallt. Fabelwesen, Hufeisen und Karusselle schmücken das 18.000m² große Gelände, welches als größter Zufluchtsort weg vom Alltag dient. Ich nähere mich einem blau-gelben Zirkuszelt, aus dem eine Mischung elektronischer und klassischer Melodien schallt und meine Aufmerksamkeit gewinnt. Auf dem Weg dorthin wird aus einer überdimensional großen Trompete statt Musik, Schaum und Luftblasen gesprüht. Recht schnell bildet sich eine dicke, weiße Decke auf dem Boden, die bald mit Konfetti und Glitzer vermischt eine himmlische Illusion bildet. Der DJ hatte vermutlich den gleichen Gedanken und spielt prompt das Lied „Über den Wolken“, untermalt mit elektronischen Klängen. Ich spüre die Musik, der Boden vibriert und die Lichter tanzen auf meiner Haut.
Träume ich? Wo sind die grauen, mit Graffiti bemalten Betonwände, die finster dreinblickenden Gesichter, denen man sonst auf den Bürgersteigen oder in den U-Bahntunneln Berlins begegnet oder diese herzlose, kalte Anonymität, die sich im farblosen Alltag besonders in Berlin so breit macht? Nichts von dem ist hier zu spüren, im Gegenteil, es ist wie ein wahrgewordener Kindheitstraum, ein Paradies für Erwachsene, wo die Zeit keine Rolle spielt. Bunt, alles ist bunt. Ich befinde mich mitten im Rokokozeitalter, wo Mädchen in pompösen und verspielten Kleidern auf Schaukeln hin und her schaukeln. Als wären die Leinwände von ‚Boucher‘, dem Künstler des 18. Jahrhunderts, zum Leben erweckt. Überall stehen Holzhütten und bizarre Skulpturen, Diskokugeln hängen an den Bäumen und funkeln um die Wette und ich entdecke sogar einen ausgedienten Autoskooter, der direkt neben einem alten schwarz-weißen Fotoautomaten steht. Eine wahrgewordene Fantasielandschaft, in denen Pinocchio, Pippi Langstrumpf, Trolle, riesengroße Ameisen sowie Kugelfische auf Stelzen und andere Fabelwesen inmitten der Partymenge ihre Kreise ziehen. Auch ich bahne mir einen Weg durch die bunte Menschenmasse. Ein Clown mit übergroßen Schuhen, weißem Kostüm und einer violetten Perücke, dessen Haare geflochten bis zu seinen übergroßen Schuhen reichen, malt mir ein grünes Herz auf meine Handoberfläche und drückt mir gleich einen Ballon in die Hand und einen Kuss auf die Stirn. „Oh là là, du schwitzt aber! Was willst du trinken? Bier, Futschi, hartes Zeug? Wir haben sogar eine Wodkarutsche aus Eis. Dahinten sind die Toiletten, da kannst du dich erst mal frisch machen, da ist auch gleich ‘ne Bar.“ Kaum hat er den Satz ausgesprochen, dreht er sich zum nächsten Besucher um und wiederholt das Begrüßungsritual. Mit einem Getränk in der linken und einer Zigarette in der rechten Hand setze ich mich auf eines der weißen Schaukelpferde und lasse die Eindrücke erst einmal auf mich wirken. Eine Fee wirft Konfetti über mich, wovon etwas in meinem Getränk und etwas in meinem Haar landet. Wohin ich auch schaue glitzert und schimmert es. Die Spree fließt still weiter, unbeeindruckt des ganzen Spektakels sowie davon, dass sich am Ufer in ihr ein paar Besucher die Füße abkühlen und den Moment dieser unsichtbaren Magie genießen. Unter einem mit bunten Lampions geschmückten Baum schaukelt ein Pärchen auf einer Holzschaukel hin und her, ein ca. fünf Meter großes, nacktes, auf dem Rücken liegendes und in den Himmel starrendes Plastikbaby liegt auf einer der selbstgebauten Holzhütten aus denen laute Musik schallt. Fabelwesen, Hufeisen und Karusselle schmücken das 18.000m² große Gelände, welches als größter Zufluchtsort weg vom Alltag dient. Ich nähere mich einem blau-gelben Zirkuszelt, aus dem eine Mischung elektronischer und klassischer Melodien schallt und meine Aufmerksamkeit gewinnt. Auf dem Weg dorthin wird aus einer überdimensional großen Trompete statt Musik, Schaum und Luftblasen gesprüht. Recht schnell bildet sich eine dicke, weiße Decke auf dem Boden, die bald mit Konfetti und Glitzer vermischt eine himmlische Illusion bildet. Der DJ hatte vermutlich den gleichen Gedanken und spielt prompt das Lied „Über den Wolken“, untermalt mit elektronischen Klängen. Ich spüre die Musik, der Boden vibriert und die Lichter tanzen auf meiner Haut.
Hippie Deluxe- Ein Dorf fernab festgefahrener Ideologie und Normen im Grünen, mitten in der Stadt.
Zwei verkleidete Frauen mit roten Perücken, Sonnenbrillen, Schlaghosen und Plateauschuhen umarmen meine Schulter von links und rechts und wir gondeln zu dritt mit den Klängen der Musik durch die Menschenmasse, vorbei am DJ- Pult und Theken, durch Gestrüpp und Uferwege der Spree bis hin zu einer Art Wohnsiedlung aus selbstgezimmerten, von kleinen Beeten umrandeten und mit viel Liebe zum Detail angelegten Hütten und Wohnwagen mit Veranden. Nun bin ich es, die auf einer selbstgebastelten Holzschaukel schwingt und bewundere die tollen Kostüme der Beiden, obwohl ich mir nicht sicher bin, was sie darstellen. Ich bin überwältigt und verstehe nicht so recht, wo ich grade bin. Mein Blick verrät mich. „Wir leben hier.“, sagt Steffi, eine der Frauen. „Wir sind hier sowas wie ‘ne kleine Kommune aus 13 Leuten, wir leben und arbeiten hier. Haben wir alles selbst gebaut hier. Ohne Geld in den Taschen. Wir nennen das Clubrecycling, aus Schrott und Müll bauen wir uns hier unsere Dorfgemeinschaft auf, durch die Partys finanzieren wir uns teilweise. Wir haben sogar ‘n Restaurant da vorne und ‘n Kindertheater. Bald sogar ‘n Kino. Hier ist jeder willkommen, nicht nur Freitag- und Samstagnacht, auch unter der Woche ist hier einiges los.“. „Ja, es ist ganz schön schwierig von hier drinnen nach draußen zu gehen, es ist…hm, ja es ist hart.“, fügt Janna, ihre Begleiterin hinzu. „Wir bekommen deswegen bald sogar ‘nen eigenen Kiosk, um nicht so oft in die Stadt zu müssen. Da ist alles so grau und trist, das einzige was wir mit der Welt da draußen gemeinsam haben, ist das Wetter.“ Sie grinst. Ein lautes Dröhnen aus einem Lautsprecher reißt uns aus dem Gespräch und aus der Ferne hört man die Masse von 10 an runter zählen. „Kommt, schnell!“ ruft Steffi und wir eilen zurück durch Gestrüpp und Uferwege bis wir uns im Gewirr wieder untermischen. Alle starren voller Erwartung in den dunklen Nachthimmel. Wir legen uns auch auf den mit Schaum und Konfetti bedeckten Boden und schauen ebenfalls in den Himmel. Auf einmal ertönt ein lauter Knall am Himmel und es regnet tausend grelle Glitzerfunken in allen Farben herab. Ein paar Minuten noch liege ich dort und schaue mir das Feuerwerk an, ehe Janna wehmütig „Ach ja, der Anfang vom Ende!“ sagt. Ich verstehe nicht und schaue sie fragend an. „Die wollen uns hier nicht. Bald stehen hier Bürogebäude, Lofts und Hotels.“
Ich schaue mich um und begreife nun diese unendliche Trauer in den Gesichtern der Leute, die mit Tränen in den Augen dem erlöschenden Feuerwerk nachsehen. „Noch einen Monat, dann ist der Sommer vorbei und die ‚Bar 25‘ schließt wie jedes Jahr den Winter über. Ob sich im nächsten Jahr die Tür hier wieder öffnet, kann bis dato keiner sagen.“ Steffis Stimme zittert und ich fange an zu realisieren, ein bisschen.
Über der dunklen Betonfassade auf der anderen Spreeseite erblicke ich die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages, sie erhellen das mystische Ufergelände der Bar 25. Noch bis lang in den Tag hinein werden hier Konfetti, Musik und Schaum in die Luft verteilt, an dem Ort, an dem es ohne Zweifel kein Schweres ist, die Tage zu Stunden werden zu lassen, an dem Zeit wahrlich keine Rolle spielt und an dem jeder so sein darf, wie er mag.
Leben ist das seltenste Gut überhaupt auf der Welt- die meisten Menschen existieren lediglich (Oscar Wilde)
Hintergrundinformation
Mit „die“ meint Steffi die Manager und Organisatoren des Investorenprojekts „Mediaspree“, welches bereits in den 90er Jahren geplant wurde, bisher aber aufgrund fehlender Mittel nicht umgesetzt werden konnte. Das Projekt Mediaspree beinhaltet eine Ansiedlung von Kommunikations- und Medienunternehmen entlang des Spreeufers. Die Bar25 wurde auf einem dieser für das Projekt in Frage kommenden Grundstücke gebaut, welches den Berliner Stadtreinigungsbetrieben gehört. Sieben Jahre, länger sollte es nicht dauern, bis Investoren viel Geld für das Grundstück boten. Seit Monaten wird in Berlin gegen den Verkauf des Geländes sowie gegen die generelle Durchsetzung des Projekts ‚Mediaspree‘ in Form von Demonstrationen gekämpft. Die Bar25 spielt dabei für die Berliner eine wichtige Rolle. Es ist nicht nur eine Bar oder ein Club, es ist gleichzeitig ein Symbol gegen die Gentrifizierung. Wenn die Bar25 nicht mehr existiert, stirbt mit ihr ein wichtiger Teil der Berliner Kultur. Mit ihr wird eine komplette Subkultur von immenser Wichtigkeit für die Stadt ausgelöscht. Berlin braucht diese Art von Freiraum und künstlerischer Vielfalt, es ist genau das, was Berlin so einzigartig macht.
Wenn die Sache irre wird, werden die Irren zu Profis. (Hunter S. Thompson)
Rückblick
Sommer 2010
Sommer 2010
Es ist Montag und ich mache mich noch einmal auf zu dem Ort, an dem ich zwei Tage zuvor Zeit und Raum verlor, der mich aufsaugte und komplett mit Haut und Haar verschlang. Die Tür im Holzlattenzaun mit der aufgesprühten 25 an der nebenstehenden Betonwand ist verschlossen. Zwei Hausnummern weiter ist eine Öffnung im Zaun. Eine „27“ ist aufgesprüht und ich stecke neugierig den Kopf hinein. „Komm rin, kannste rauskieken!“, ruft mir ein Mann mit Sonnenbrille, Shorts und Hawaiihemd entgegen. Sogar eine Perlenkette aus weißem Perlmutt trägt er um den Hals. Tischkicker, Tischtennisplatten und ein Volleyballnetz sind auf strahlendweißem Sand und im Schatten riesiger Trauerweiden aufgebaut. Auch ein mit hellblauem klarem Wasser gefüllter Pool ist schon von Weitem zu erkennen. Eine Gruppe von Kindern hockt vor einem Puppentheater im Sand und schaut gespannt zu, wie sich der Wachtmeister ‚Dimpfelmoser‘ dem Räuber ‚Hotzenplotz‘ heimlich von hinten nähert, während ihre Eltern bei einem frischen Getränk die Seele baumeln lassen. „Zum ersten Mal hier?“, fragt mich der Mann mit Perlenkette. „Ja, naja, ich war Samstagabend schon mal da, aber mehr dahinten, Hausnummer 25.“, erwidere ich. „Ah ja, schön das Tanzbein jeschwungen wa!? Na dann haste dir jetzt ‘ne schöne kühle Limo vadient glob ick. Tachchen erstma‘, ick bin Christoph, Christoph Klenzendorf, der Betreiber von dem janzen Laden hier.“ „Eh ja, Tag auch, Carla.“ Wir geben uns die Hand und er reicht mir eine eiskalte Limonade, in der die Eiswürfel aneinander klimpern. Meine Neugierde siegt und ich versuche irgendwie zu dem heiklen Thema Mediaspree zu gelangen. „Habt es euch hier ja echt schön gemacht“, versuche ich das Gespräch aufzubauen. „Hmm.“, nickt Christoph während er die Gläser mit einem Küchentuch trocknet. Ich nehme einen großen Schluck aus dem Glas und die Kälte sowie die Kohlensäure schnüren mir leicht die Kehle zu. „Nee echt, eine richtige Oase habt ihr euch hier geschaffen. Tagsüber für jeden zum entspannen, abends ein Zufluchtsort für die nie richtig erwachsen gewordenen Volljährigen.“ „Dit is Berlin“, antwortet er. Nach kurzem Schweigen und angestrengtem Gesichtsausdruck lässt er Dampf ab: „Aber bald ist auch das vorbei. Dann kommen die ganzen Yuppies und Fatzken mit ihrem Geld und vernichten dit allet.“ „Ja, hab davon gehört. Echt schade. Dagegen ist kaum was zu machen, oder?“ „Nee, nicht wirklich. Es ist halt wirklich schade zu sehen, dass die Stadt sehr wenig erkennt was diese Orte wie die Bar25 eigentlich für… für Wellen schlagen. Europaweit und weltweit. Das ist das, was Berlin eben auch mal erkennen muss, dass das, was wir machen, diese Art von Kultur eben auch ‘ne ganz wichtige Kultur ist für Berlin, dass es eben nicht nur noch ‘ne Subkultur ist, sondern dass es eben auch schon ‘ne Zahl ist, mit der man arbeiten kann, das ist ‘n Wirtschaftssektor schon, wo man, wo…wo die politische Ebene auch mal sagen könnte:“ den müssen wir auch mal ernst nehmen.“
Mit einem Zischen öffnet er sich ein Bier und ich merke wie ihn das Thema mitnimmt. „Das Problem, was wir haben, ist, ehm, dass die Stadt schon auch realisiert, dass das, was wir machen, sehr wichtig ist für die Stadt, sie wirbt damit, mit uns und unserem Projekt, aber ich glaube die meisten, die hier so ‘ne Entscheidungen treffen denken
so: „Wir können damit total gut werben, wir holen damit die Leute in die Stadt“. Aber die vergessen glaube ich, dass, wenn die Leute weg sind, die Stadt dann uninteressant wird. Ehm, das ist eben dieses, dieses, ja dieses Denken, was nicht weit in die Zukunft geht, das einfach so ist: „Ey, hier ist jetzt ein Investor, der gibt mir 200 Millionen Euro und baut hier n Haus hin und dann hab ich hier, ehm, 80.000m² Arbeitsfläche, dann können 4.000 Leute arbeiten oder was auch immer und die machen Geld.“ Was sie dabei total vergessen ist, dass diese Leute null Flair in die Stadt bringen und was dann passiert, ist, dass die Kultur hier so langsam aussterben wird. Was ich eben schon meinte, diese Subkultur, die wir bedienen, das sind Leute, die irgendwann mal andere Kulturen in der Stadt bedienen werden und das ist das, wofür Berlin steht. Berlin ist ‘ne Kulturhauptstadt und kein Wirtschaftsstandort und das wird es auch meines Erachtens niemals werden. Das war die letzten 100 Jahre so, wenn man sich mal die Geschichte von Berlin anschaut, von den 20er Jahren bis jetzt war das immer ‘ne Stadt, wo Menschen hingekommen sind, die anders sind, die anders denken, Freidenker, die hier kreativ sein können und die was… die was Neues schaffen wollen und sich nicht eben in diesen konventionellen Strukturen aufhalten wollen. Und das ist das, wofür wir eintreten und sagen: „Hey, wir sind ein ganz großer Teil dieser Stadt und wir machen es auch aus, wir holen ganz viele Menschen durch unser Tun und unser Denken in diese Stadt und schaffen dadurch einfach mal ‘n kreativen Pool, der diese Stadt ausmacht. Wenn das verloren geht, dann glaube ich, wird Berlin in 10 Jahren so ‘ne Stadt sein wie New York jetzt ist. Was willste hier mit deinen Touridampfern durchfahren und siehst hier Glas, Beton, Glas, Beton, Beton, Beton, Glas, rote Steine, blaue Steine dahinten und dann wieder Glas, Glas, keine einzige Person die sich hier aufhält außer die Leute, die dort Mittagspause machen. Ja, das ist der Grund warum wir sagen, pfff lass ma auf die Straße gehen und sagen: „Ey, Naherholungsgebiet ‚Wasser‘.“ Warum sollte man da Bürogebäude hin bauen? Ich muss sagen, ich lebe ganz gern hier.“
Mit einem Zischen öffnet er sich ein Bier und ich merke wie ihn das Thema mitnimmt. „Das Problem, was wir haben, ist, ehm, dass die Stadt schon auch realisiert, dass das, was wir machen, sehr wichtig ist für die Stadt, sie wirbt damit, mit uns und unserem Projekt, aber ich glaube die meisten, die hier so ‘ne Entscheidungen treffen denken
so: „Wir können damit total gut werben, wir holen damit die Leute in die Stadt“. Aber die vergessen glaube ich, dass, wenn die Leute weg sind, die Stadt dann uninteressant wird. Ehm, das ist eben dieses, dieses, ja dieses Denken, was nicht weit in die Zukunft geht, das einfach so ist: „Ey, hier ist jetzt ein Investor, der gibt mir 200 Millionen Euro und baut hier n Haus hin und dann hab ich hier, ehm, 80.000m² Arbeitsfläche, dann können 4.000 Leute arbeiten oder was auch immer und die machen Geld.“ Was sie dabei total vergessen ist, dass diese Leute null Flair in die Stadt bringen und was dann passiert, ist, dass die Kultur hier so langsam aussterben wird. Was ich eben schon meinte, diese Subkultur, die wir bedienen, das sind Leute, die irgendwann mal andere Kulturen in der Stadt bedienen werden und das ist das, wofür Berlin steht. Berlin ist ‘ne Kulturhauptstadt und kein Wirtschaftsstandort und das wird es auch meines Erachtens niemals werden. Das war die letzten 100 Jahre so, wenn man sich mal die Geschichte von Berlin anschaut, von den 20er Jahren bis jetzt war das immer ‘ne Stadt, wo Menschen hingekommen sind, die anders sind, die anders denken, Freidenker, die hier kreativ sein können und die was… die was Neues schaffen wollen und sich nicht eben in diesen konventionellen Strukturen aufhalten wollen. Und das ist das, wofür wir eintreten und sagen: „Hey, wir sind ein ganz großer Teil dieser Stadt und wir machen es auch aus, wir holen ganz viele Menschen durch unser Tun und unser Denken in diese Stadt und schaffen dadurch einfach mal ‘n kreativen Pool, der diese Stadt ausmacht. Wenn das verloren geht, dann glaube ich, wird Berlin in 10 Jahren so ‘ne Stadt sein wie New York jetzt ist. Was willste hier mit deinen Touridampfern durchfahren und siehst hier Glas, Beton, Glas, Beton, Beton, Beton, Glas, rote Steine, blaue Steine dahinten und dann wieder Glas, Glas, keine einzige Person die sich hier aufhält außer die Leute, die dort Mittagspause machen. Ja, das ist der Grund warum wir sagen, pfff lass ma auf die Straße gehen und sagen: „Ey, Naherholungsgebiet ‚Wasser‘.“ Warum sollte man da Bürogebäude hin bauen? Ich muss sagen, ich lebe ganz gern hier.“
Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen (Martin Luther)
Im Juni 2004 öffnet die Bar25 ihre Pforten, im Herbst 2010 schließt sie sie endgültig. Die Fläche an der Holzmarktstraße 19-30 diente knappe sieben Jahre als Erholungspark, Treffpunkt, Partylocation und Zuhause für die verschiedensten Leute aus der ganzen Welt. Die Bar25 ist nicht nur eine Bar, sie ist Kultur und Lebensgefühl, sie verbindet und sie lebt weiter für diejenigen, die dieses Gefühl gelebt und erlebt haben. Für andere als Mythos, der von Geschichten und Bildern lebt, von dem geschwärmt und erzählt wird und für einige wenige aber sehr mächtige Leute als Dorn im Auge, der so schnell wie möglich niedergewalzt und durch Glas und Beton ersetzt werden muss.
Abschied nehmen bedeutet immer ein wenig sterben. Alles hat seine Zeit, die Zeit der Liebe, der Freude und des Glücks, die Zeit des Sorgens und des Leids. Es ist vorbei. Die Liebe bleibt. (Unbekannt)
Herbst 2011
„Die Bar ist tot.“ Der Ort, der mich noch heute träumen lässt. Die Bar 25 existiert nicht mehr. Das Gebiet liegt brach. Der Streit um die Fläche an der Spree ist entfacht, die Kampfzone um die neue Berliner Liegenschaftspolitik abgesteckt. Interessenten gibt es viele, der Meistbietende soll den Zuschlag bekommen, ginge es nach Wünschen des Eigentümers, der Berliner Standreinigung (BSR). Regen Widerstand bieten SPD und CDU, die eine alternative Nutzung und Raum für Kulturprojekte fordern. Bürger sollen vom neuen Bauland profitieren, Grünflächen und Kultureinrichtungen sollen entstehen. Monate vergehen.
Wenn einer allein träumt, ist es nur ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist es der Anfang einer neuen Wirklichkeit. (Friedenreich Hundertwasser)
Sommer 2013 bis heute
Zusammen mit den ehemaligen Besitzern der Bar 25, unter anderem Christoph Klenzendorf und Steffi, sitze ich an der Stelle, die damals Heimat der Clubbesitzer war. Selbstgebastelte Bänke und Stege schmücken nun das Ufer, Familien schlendern an uns vorbei, Kinder buddeln im Sand, andere bepflanzen Blumenbeete. Es herrscht Idylle pur. „Wir sind älter geworden. Fast ein bisschen erwachsen“, grinst die 35-jährige Steffi „haben Kinder und finden die Idee dieser Nutzung toll“. „Es ist alles ganz anders gekommen, als wir uns je vorgestellt haben, aber so ist es gut.“ Anders und unkonventionell ist es trotzdem noch.
April 2012 gründeten sie den Verein ‚Mörchenpark e.V. ‘ und zusammen mit der Genossenschaft ‚Holzmarkt plus eG‘ verfolgen sie eine Vision. „Stadtrendite heißt das neue Konzept“, wirft mir einer mit zotteligen Haaren und Schüppe entgegen. „Spiel, Satz und Sieg. In Kooperation mit der Holzmarktgenossenschaft, dem Radialsystem und den Berliner Wasserbetrieben verwirklichen wir hier den Bau und die Gestaltung des Spreeufers zwischen der Michael- und der Schillingbrücke.“, erklären sie mir und scheinen dabei glücklich. „Wir nennen es heute den ‚Mörchenpark‘ und pflegen Gartenanlagen, Gemüsebeete, Schulgärten und begrünen Dächer und Wände. Jeder der mag, kann mitmachen!“
„Der erste Abschnitt wurde bereits am 1. Mai 2013 höchstpersönlich vom Bezirksbürgermeister Franz Schulz offiziell freigegeben. Auf den über 350m², die von den Bewohnern der Stadt kreativ genutzt werden sollen, entsteht seitdem peu à peu ein kleines Dorf. Wir nennen es „das Dorf am Ufer“ in dem auch ein Marktplatz, Ateliers, Bäckerläden, Weinhändler, Yogastudios, Clubs, Restaurants und Hostels entstehen sollen.“, erklären sie mir stolz.
Die Bar 25 ist tot, auferstanden ist der Mörchenpark.
April 2012 gründeten sie den Verein ‚Mörchenpark e.V. ‘ und zusammen mit der Genossenschaft ‚Holzmarkt plus eG‘ verfolgen sie eine Vision. „Stadtrendite heißt das neue Konzept“, wirft mir einer mit zotteligen Haaren und Schüppe entgegen. „Spiel, Satz und Sieg. In Kooperation mit der Holzmarktgenossenschaft, dem Radialsystem und den Berliner Wasserbetrieben verwirklichen wir hier den Bau und die Gestaltung des Spreeufers zwischen der Michael- und der Schillingbrücke.“, erklären sie mir und scheinen dabei glücklich. „Wir nennen es heute den ‚Mörchenpark‘ und pflegen Gartenanlagen, Gemüsebeete, Schulgärten und begrünen Dächer und Wände. Jeder der mag, kann mitmachen!“
„Der erste Abschnitt wurde bereits am 1. Mai 2013 höchstpersönlich vom Bezirksbürgermeister Franz Schulz offiziell freigegeben. Auf den über 350m², die von den Bewohnern der Stadt kreativ genutzt werden sollen, entsteht seitdem peu à peu ein kleines Dorf. Wir nennen es „das Dorf am Ufer“ in dem auch ein Marktplatz, Ateliers, Bäckerläden, Weinhändler, Yogastudios, Clubs, Restaurants und Hostels entstehen sollen.“, erklären sie mir stolz.
Die Bar 25 ist tot, auferstanden ist der Mörchenpark.

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